Don Bosco Haus Wien - Jugendbildungsstätte

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Weltreligionen - Exkursionsreihe zu Orten religiöser Begegnung

am 29. June 2010

Türkisches Kulturzentrum Bad Vöslau, Castelligasse 11

Treffpunkt für die meisten aus unserer Gruppe war am 24. Juni 2010 die Schnellbahnstation Wien Meidling. Die Autofahrer erwarteten uns bereits in der Castelligasse 11, wo sich auch Hans Zirkowitsch eingefunden hatte. Dankenswerter Weise hat dieser für uns die Verbindung zu ATIB dem Trägerverein des Kulturzentrums bzw. zu Hodscha Uzuner, hergestellt. Als Bad Vöslauer Bürger war Herr Zirkowitsch in den Mediationsprozess anlässlich des Baus der Moschee aktiv eingebunden.

Das eingereichte Projekt für das Gebetshaus stieß ja zunächst – wie auch anderswo – auf Widerstand von Teilen der Bevölkerung. Durch die Initiative des Bürgermeisters und unter Einbindung aller politischen Parteien bzw. der Vertreter von ATIB wurde schließlich ein modernes offenes Gebäude mit viel Glas errichtet, das eine sehr ansprechende Architektur hat. Auf dem freien Platz in der Mitte des Gebäudes befindet sich ein schöner Brunnen. Nach der Begrüßung durch Hodscha Uzuner führte man uns in die Moschee. Wie üblich haben wir die Schuhe vor dem Betreten des Gebetsraumes abgelegt.

In dem großen hellen Raum befindet sich an der Stirnseite in der Mitte die Gebetsnische, links davon ein Lesepult bzw. ganz rechts die Kanzel, von der aus der Imam (türk. Hodscha) am Freitag in Arabisch, Türkisch und Deutsch predigt.
Herr Uzuner zog sich einen weißen mit Goldblenden besetzten Mantel an und setzte auch die Kopfbedeckung eines Imam auf. Dann stimmte er für uns den Gebetsruf an. Es wird täglich 5mal gebetet: derzeit um 03.20 Uhr, 13.04 Uhr, 17.17Uhr, Abendgebet ist um 21.06 Uhr und das Nachtgebet um 22.26 Uhr. Er zeigte uns auch wie Muslime Niederwerfungen machen. Beim Morgengebet gibt es 2 Niederwerfungen, mittags 4 und beim Nachmittagsgebet kommt vor den 4 Niederwerfungen noch eine Waschung (Gesicht, Hände bis zum Ellbogen, Füße bis zu den Knöcheln). Wichtiger ist aber die innere Sauberkeit. Man soll nicht lügen oder Böses tun. Es ist Befehl Allahs an die armen Menschen zu denken. (Zakat = Almosen geben)

Wer einen Menschen tötet, tötet die ganze Menschheit. Das Trinken von Alkohol ist im Islam verboten. Grundsätzlich sind alle Menschen gleich. Wer der Beste ist, entscheidet Gott, deshalb gibt es keine Heiligen. Mit der Fatiha (1. Sure) wird das Gebet begonnen.

Das gemeinsame Gebet dauert ca. 15 Minunten. Wenn man alleine betet, dauert es zumeist kürzer. Das Freitagsgebet ist für Männer verpflichtend. In der Ecke hinten rechts ist ein Platz für die Gebetsrufe eingerichtet, der statt des Minaretts dafür verwendet wird. Sehr beeindruckend ist die riesige Kuppel mit dem Leuchter. An den Wänden befinden sich Namen der ersten vier (nach sunnitischer Auffassung) rechtgeleiteten Kalifen.

Es gibt keine Kirchensteuer, sondern die Hilfe kommt freiwillig.

Der Imam (Vorbeter) darf bei der Predigt keine politischen Themen behandeln. Seine Ausbildung erfolgt in der Türkei nach dem Gymnasium. Auch bei uns tätige Imame müssen immer wieder zum Studium in die Türkei fahren. Herr Uzuner wird noch 2 Jahre bleiben, bevor er wieder in die Türkei zum Studium geht.
Er zeigte uns auch eine Gebetsschnur mit 33 Kugeln. Nach dem Gebet der Basmallah wird Allah angerufen. Der Koran ist für den Muslim Gottes Wort. Es gibt keinen Zwang im Glauben, keine Beichte, weil niemand zwischen Allah und dem Menschen stehen darf. Trotzdem ist der Imam auch Seelsorger. Wenn ein Mensch nicht gut war, kommt die Strafe erst nach seinem Tod.

Jede Religion unterstützt normale Moralvorstellungen. In Saudi-Arabien und im Iran gelten strengere moralische Ansprüche, die durch den Staat durchgesetzt werden. Wie Herr Zirkowitsch ausführte, legitimiert jede Religion gerne auch Krieg und Gewalt, wenn die Bevölkerung schweres lang andauerndes Unrecht leidet, das durch kein anderes Mittel abwendbar scheint und Aussicht auf Verbesserung der Lage besteht. Einem ungerechten Herrscher – so der Hodscha – darf man entgegen treten. Nach dem Koran darf es aber keine Gewalt geben.

Nach einem Gruppenfoto mit dem Hodscha gingen wir mit Herrn Zirkowitsch auf die Empore, wo sich die Frauen während des Gebetes aufhalten.

In einem anschließenden Klassenraum, wo sonst türkische Kinder von österreichischen Frauen Lernhilfe vor allem in Deutsch erhalten, erzählte uns Herr Zirkowitsch über die weitere Integrationsarbeit der Stadtgemeinde. Es gibt einen Integrations-Arbeitskreis mit 2 Stadt- bzw. Gemeinderätinnen, Türkinnen und Türken, österreichischen Lehrerinnen und Lehrern, Jugendarbeitern aus Wien und St. Veit, sowie weiteren Interessierten. Es werden viele Veranstaltungen geplant. In der Stadtbibliothek z.B. werden Märchenlesungen in der jeweiligen Landessprache mit deutscher Übersetzung abgehalten.

In Bad Vöslau leben Menschen aus 36 Nationen. Es gibt Veranstaltungen im Seniorenheim, gemeinsames Kochen aus der jeweiligen Tradition, multinationale Feste. Der Anteil der türkischen Bevölkerung beträgt 8%.

Den Abschluss unserer Veranstaltung bildete ein türkisches Essen im Restaurant des Kulturzentrums, das vorzüglich schmeckte und sehr preiswert war. Die Gastfreundschaft hat uns sehr beeindruckt.
Wir danken Hodscha Uzuner und Herrn Zirkowitsch aus ganzem Herzen!

Helene Hornich und Helene Spitalsky

 

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