










Union Islamischer Kulturzentren in Österreich
Das Haus Pelzgasse 9, an dessen Ecke sich ein türkischer Imbiss Market befindet, ist von außen keineswegs als Moschee zu erkennen. Am 19. Mai 2010 hatten sich 27 Personen vor dem Haus versammelt und wurden von Frau Amina Baghajati hineinbegleitet. Gleich beim Eingang haben wir die Schuhe abgelegt und sind dann über Teppiche ins Untergeschoss geführt worden, wo sich ein wunderschöner Gebetsraum befindet. Zunächst wurden wir eingeladen, uns umzusehen und anschließend am Teppich Platz zu nehmen.
Die Union Islamischer Kulturzentren feierte heuer ihr 30-jähriges Bestandsjubiläum. Dem Bedürfnis einen Raum des Gebetes zu schaffen, kam das Zinshaus in der Pelzgasse 9 entgegen, weil der Innenhof überkuppelt werden konnte, wodurch ein, hoher Raum entstand.
Wie uns Fr. Baghajati erklärte, sei es theologisch nicht unbedingt notwendig Minarette zu bauen. Wie auch bei unseren Kirchtürmen, geht es dabei um eine spirituelle Ausrichtung nach Gott, was sich im Laufe der Zeit so entwickelt hat. Beim Bau einer Moschee ist eine besondere Widmung notwendig, wobei auch die 5maligen Gebetszeiten eingehalten werden müssen. Es gibt keine Trennung von Imamen und Laien, denn auch diese können – vorausgesetzt, dass sie dazu geeignet sind – vorbeten.
Der Gebetsraum ist im osmanischen Stil errichtet, da 50 % der in Österreich lebenden Menschen mit islamischem Bekenntnis aus der Türkei stammen. Auch türkische Traditionen sind wichtig. Das Freitagsgebet ist in türkischer Sprache. Zusammenfassungen am Ende des Gebetes werden in deutscher Sprache gehalten, weil Muslime der 2. und 3. Generation diese besser verstehen.
Das Haus wurde vom Verein adaptiert. Es gibt auch ein Wohnheim für 40 Schüler, die von auswärts kommen. Sie erhalten eine bildungsmäßige und spirituelle Betreuung.
Bereits 1912 wurden Anhänger des Islam nach hanafitischem Ritus als Religionsgesellschaft zugelassen. Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) ist die Dachorganisation der Muslime und seit 1979 staatlich anerkannt. Sie sorgt für die Ausbildung der Religionslehrer und einen Teil der Imame. Über Anfrage erklärte die Vortragende, dass der Verein ATIB in besonderer Weise für die in Österreich lebenden Türken tätig ist.
Der Islam kennt keine Taufe. Der Vater flüstert dem Neugeborenen die Schahada („Es gibt keinen Gott außer Allah, Muhammed ist der Gesandte Allahs) ins Ohr. Wer die Schahada betet ist ein Muslim. Die Eltern müssen für die weitere Einführung in den Glauben sorgen. Vor Gott haben alle Kinder Menschenwürde. Die Beschneidung (nach der Sunna) ist freiwillig.
Die Religionsmündigkeit richtet sich nach der körperlichen und geistigen Reife der jungen Menschen. Es gibt keine Firmung.
Wer sind nun die Mitglieder? Das ist nicht sehr leicht festzustellen. Wer in einer muslimischen Familie aufwächst ist Muslim. Nach den Zahlen der letzten Volksbefragung (2001) gehören 338.000 Menschen in Österreich dem Islam an. Nach dem Integrationsfonds sind es inzwischen über 500.000 Personen.
Männer sind zum Freitagsgebet verpflichtet, Frauen, die ja auch Verpflichtungen für die Familie haben, müssen nicht daran teilnehmen. In dieser Moschee ist die Empore für Frauen vorgesehen.
Es gibt ca. 50.000 muslimische Kinder in Österreich und 350 Lehrer/-innen. Die Unterrichtssprache ist Deutsch. Kinder lernen auch freie Bittgebete in Deutsch zu sprechen. Die Lehrer/-innen werden vom Stadtschulrat bezahlt. Eine Kultusumlage wird von der IGGiÖ derzeit nicht eingehoben.
Auch Muslime aus anderen Kulturkreisen, z.B. Nigeria (ihre Moschee ist im 20. Bezirk) oder Bangladesch sind herzlich willkommen. Sie haben aber zumeist Sprachprobleme, da sie nicht Türkisch sprechen. Es gibt trotzdem einen regen Austausch unter den Moscheegemeinschaften. Auch Schiiten können beim Freitagsgebet mitbeten, wenn der Imam sie einlädt.
Sufimönche gehören einer besonderen spirituellen Richtung an. Von ihrem Glauben her sind sie orthodox. Durch intensives Erinnern, Atemtechniken und Sich - Zurückziehen oder Tanzen haben sie besondere Impulse für ihr Gebetsleben.
Die Mihrab ist die Gebetsnische, die immer in Richtung Mekka zeigt. Sie befindet sich an der Stirnseite des Gebetsraumes. Links davon ist ein Kursi (Lehrstuhl), wo ein Gelehrter vor dem Freitagsgebet eine religiöse Unterweisung gibt. Von der Minrab (Kanzel) predigt der Imam.
Im osmanischen Stil sind Blumenmuster sehr beliebt, vor allem Tulpen, weil sie dem kalligraphischen Schriftzug von Allah ähnlich sind.
Die ornamentalen Muster, die sich unendlich fortsetzen lassen, bedeuten, dass Allah unendlich ist.
Die Basmallah ist ein Segensgebet (Im Namen Allahs, des gnädigen, sich erbarmenden Gottes) und kann vor allen Handlungen gebetet werden.
Dann erklärte uns Frau Baghajati noch die 4 Niederwerfungen beim Gebet. Man beginnt mit Besinnen, Absicht fassen. Wenn der Kopf auf dem Teppich aufliegt, bedeutet das, dass man mit Allah verbunden ist.
Von der Empore aus konnten wir dann das Gebet miterleben. Ein junger Mann war Vorbeter in Vertretung des Imam.
Der Koran wird auf Arabisch rezitiert. Er ist Gottes Wort. Bei Übersetzungen. besteht die Gefahr, dass dadurch die ursprüngliche Bedeutung nicht genau wiedergegeben wird. Es gibt Koranbücher mit verschiedenen deutschen Übersetzungen.
Gebete werden in der Moschee in einer besonderen Stimmlage rezitiert. Religiöses Liedgut gibt es, wird aber in der Moschee nicht verwendet.
Hochzeiten haben keine religiöse Bedeutung. Sie sind lediglich ein Vertragsabschluss. Zwangsehen sind ungültig. Im syrischen Bereich gibt es die Verlobung. Mann und Frau sind einander versprochen. Sie können sich noch trennen. Türken heiraten gleich. Ehe auf Zeit gibt es bei den Schiiten und im iranischen Bereich. Heute bevorzugt man nur 1 Frau zu haben. In Ausnahmefällen (z.B. zur Versorgung einer Witwe) kann ein Mann öfter heiraten. Die Papiere werden vor jeder Eheschließung genau kontrolliert.
Es war sehr interessant Frau Baghajati zuzuhören. Die Zeit ist dabei sehr schnell vergangen.So mussten wir uns wieder verabschieden.
Herzlichen Dank an Frau Amina Baghajati.
Helene Hornich und Helene Spitalsky
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