Don Bosco Haus Wien - Jugendbildungsstätte

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Weltreligionen – Exkursionsreihe zu Orten religiöser Begegnung

am 26. April 2010

Ukrainisch-griechisch-katholische Kirche St. Barbara

Am 16. April 2010, 16.00 Uhr versammelte sich unsere Exkursionsgruppe mit 26 Personen vor der Postgasse 8.
Die Fassade der ehemaligen Jesuitenkirche St. Barbara und nunmehrigen Ukrainisch-griechisch-katholischen Kirche ist in die anschließende Häuserfront integriert. Beim Eingang weist eine  Inschrift darauf hin, dass Joseph II und Maria Theresia im Jahre 1775 diese Kirche samt dem Konvikt zwecks Heranbildung des Klerus der orientalischen Kirche übergeben haben. Über dem Eingang  befindet sich ein modernes Mosaik, das die Hl. Barbara mit Märtyrerpalme und Turm zeigt. 1999 wurde rechts neben der Kirche ein Denkmal für den ukrainischen Gelehrten und Dichter Iwan Franko errichtet.
Standbilder des hl. Kirchenlehrers Basilius und der hl. Barbara befinden sich an der Außenfassade. Statuen sind im byzantinischen Kirchenraum nicht üblich. Ihn sollen nur Ikonen als „gemaltes Gebet“ schmücken.
Wir wurden von dem katholischen Domherrn Monsignore Mag. Franz Schlegl willkommen geheißen und in das Innere des Kirchenraumes (der schmäler als die Fassade ist) geführt. Wie er ausführte ist die Ukrainisch-griechisch-katholische Kirche eine mit Rom unierte  orthodoxe Kirche und steht in der Sukzession der Apostel. 1784 wurde St. Barbara zur Pfarrkirche für alle nach der Teilung Polens in Österreich lebenden griechisch-katholischen Ukrainer. Nach einem sehr interessanten geschichtlichen Exkurs widmete sich Monsignore Schlegl dem Kircheninnenraum. Besonders beeindruckend ist die barocke Ikonostase. Sie ist kein trennendes Element in der Kirche, da sie weder den Blick auf den Altarbereich noch auf die Ausmalung der Decke verschließt, wo Christus als Pantokrator symbolhaft den irdischen und himmlischen Kosmos verbindet.
Jede Ikonostase weist drei Türen auf. Die mittlere (sie kann nur vom Bischof und dem zelebrierenden Priester durchschritten werden) zeigt die Darstellung Maria Verkündigung als Beginn der Heilsgeschichte, in dem die Inkarnation Gottes geschah und sich die zwei Naturen Christi vereinten. Rechts und links der „Königstür“ befindet sich eine Christus und eine Marien-Ikone.          
Über der Mitteltüre ist das Letzte Abendmahl Jesu und darüber eine Ikone der Heiligen Dreifaltigkeit zu sehen. Zu beiden Seiten sind Bilder der 12 Apostel und als Bekrönung das Kreuz mit Maria und Johannes. Die kleineren seitlichen Türen werden „Diakonstüren“ genannt und dienen dem restlichen Klerus zum Eintreten in den Altarraum.
An der Wand auf der rechten Seite befindet sich die Kathedra (Bischofsthron).
Die Kosten für die bauliche und liturgische Adaptierung für den byzantinischen Ritus übernahm Kaiserin Maria Theresia.
1983-1985 erfolgte eine umfassende Renovierung der Kirche. Für die neuen Bilder an der Decke, im Altarraum und im Kirchenschiff wurde der international bekannte Ikonenmaler Prof. Svjatoslav Hordynkyj gewonnen. Die Seitenwände zeigen Feiertagsikonen; links die Marienfeiertage, rechts Christus zugeordnet die Herrenfeiertage.
Zu unserer großen Freude durften wir den Altarraum durch die Diakonstüre betreten, weil die Sakristei nur so zu erreichen ist. Im Altarraum an der Rückseite der Ikonostase befinden sich Bilder des hl. Nikolaus und des hl. Spiridion.
Der Maler Subotic  schuf das Bild der hl. Barbara im Altarraum. In der Mitte des quadratischen Altares steht ein Tabernakel für das im Gottesdienst verwendete Weißbrot. Während die katholische Kirche Weißwein für die Eucharistiefeier verwendet, hat die Ostkirche Rotwein. Auch ein typisches goldenes Weihrauchgefäß mit Glöckchen konnten wir bewundern.                     
In der Sakristei werden wertvolle Paramente und Kirchengeräte, Bischofs- und Hochzeitskronen aufbewahrt. Ein kostbares Evangeliar trägt das Monogramm Maria Theresias. Es wurde von der Kaiserin gestiftet.
Leider war die Zeit viel zu kurz, da wir noch zur Griechisch-orientalischen Kirche weitergehen mussten. Herzlichen Dankan Monsignore Schlegl!

 

Griechisch-orientalische Kirche zur Heiligen Dreifaltigkeit

Anschließend an den Besuch in St. Barbara machten wir uns auf den Weg ins ehemalige Griechenviertel am Fleischmarkt zur Griechisch-orthodoxen Kirche, die in Österreich offiziell als Griechisch-orientalische Kirche bezeichnet wird. Es handelt sich um einen rotbraunen Ziegelbau, der um die rundbögigen Fenster Goldornamente aufweist. Deshalb wird die Kirche auch „das goldene Haus Wiens“ bezeichnet.
Wir gingen durch die Vorhalle (Narthex) ins Kirchenschiff, wo uns der Pfarrer
P. Germanus bereits erwartete. Auch hier trennt eine Ikonostase Altarraum und Kirchenschiff. Der Altarraum ist einige Stufen höher gesetzt und wird nur von den Klerikern betreten. Wie P. Germanus meinte, ist die Gestaltung nicht ganz orthodox.
Im 12. Jahrhundert waren durch die Babenberger griechischen Prinzessinnen und im 17. und 18. Jahrhundert Kaufleute nach Wien gekommen. Infolge des 1781  von Kaiser Joseph II. verfügten Toleranzpatents sind die beiden historischen Kirchengemeinden „zum Hl. Georg“ und „zur Heiligen Dreifaltigkeit“ gegründet worden, die bis heute für die seelsorgliche Betreuung von orthodoxen Christen zuständig sind. Heute leben ca. 18.000 Gläubige in Österreich, 10.000 davon in Wien. Bereits 1782 wurde das Stockhammersche Haus am Fleischmarkt zur einfachen griechischen Kirche umgebaut. Später  holte der griechisch-österreichische Unternehmer Georg Simon von Sina Theophil von Hansen aus Athen nach Wien und beauftragte ihn mit dem Umbau der Kirche, der erst 1856 endgültig abgeschlossen war. Mit dem Bau der Wiener Kirche entwarf Hansen  erstmals ein Gebäude im byzantinschen Stil, während er vorher im Stil des nordischen Klassizismus arbeitete.  Die Kirche stand auch anderen orthodoxen Kirchengemeinschaften bis zum Bau eigener Gotteshäuser zur Verfügung. Große Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens wie Baron Sina, Theodor von Karajan, Nikolaus Dumba, Basilio Calafati waren Mitglieder der griechisch-orthodoxen Kirche und spielten eine bedeutende Rolle im politischen Leben Wiens und der Monarchie.
Im Jahre 1963 hat das ökumenische Patriarchat von Konstantinopel die Griechisch-orientalische Metropolis von Österreich und Exarchie von Italien, der Schweiz und Ungarn mit Sitz in Wien errichtet. Derzeitiger Metropolit ist Erzbischof Dr. Michael Staikos. Es gibt auch eine eigene Griechische Schule.
Seit 1801 bis heute wird hier Unterricht erteilt. Es gibt einen Kindergarten, Volksschule und Gymnasium mit insgesamt 280 Schülern (vor 10 Jahren waren es 120). Die Lehrer kommen aus Griechenland. Die Schule ist nur für griechisch-stämmige Kinder.
Orthodox bedeutet „rechtgläubig“ und „der Gott richtig lobt“.

Es gibt 16 verschiedene orthodoxe Kirchen, die die „eine orthodoxe Kirche“ bilden. Jeder kann die Sakramente in allen verschiedenen Kirchen empfangen.
Die Leitung der Orthodoxen Kirche hat Patriarch Bartholomäus I. von Konstantinopel. Er ist der Erste, aber nicht im Sinne des Heiligen Vaters in Rom.
Wenn es Schwierigkeiten gibt, wird eine Synode einberufen. Nie kann nur ein einziger Bischof alleine entscheiden.
Gott ist allmächtig und die Liebe. Man glaubt ganz fest, dass das erste Geschenk an die Menschen die Freiheit ist.
Es gibt 7 Sakramente wie in der römisch katholischen Kirche, sie heißen Mysterium. Der Täufling (vor allem Babies) empfängt Taufe und Firmung gemeinsam. Die Eucharistie wird einen Sonntag danach gespendet. Erstkommunion gibt es nicht. Wie P. Germanus ausführte ist das „Nicht würdig sein“ nicht so wichtig, weil wir Menschen nie „würdig“ sein werden. Die Hl. Kommunion zu empfangen bedeutet eins mit Gott zu werden. Die Firmung bleibt ein Geschenk und wird von Gott gegeben. Man wird zum vollkommenen Mitglied der Kirche durch Taufe, Firmung und Eucharistie.
Orthodoxe Christen können sich 2mal scheiden lassen und 3x heiraten. Wenn die Liebe nicht mehr lebt, hält auch die Ehe nicht. Familie sind Mann und Frau auch, wenn sie keine Kinder haben. Fast alle Priester sind verheiratet. Bis zum Diakonat darf man heiraten, danach nicht mehr.
Fasten und Beichten vor der Kommunion ist sehr wichtig. Fastenzeit ist 6 Wochen vor Weihnachten und 7 Wochen vor Ostern. Es gibt auch eine Fastenzeit im Juni. Streng fastet man vor allem in den Klöstern. Es darf nichts gegessen werden, das von einem Tier kommt und kein Olivenöl.
Wichtig ist der Dialog zwischen Klerus und Laien. Wir sind einander Stock, um einen Weg zu Gott zu gehen. Fasten und Beichten ist ein Geschenk an Gott. Hl. Messe muss etwas Lebendiges sein (im Kloster dauert sie bis zu 18 Stunden).
Das Volk darf im Gottesdienst nicht mitsingen, es gibt auch keine Musikinstrumente.
Abschließend erklärte P. Germanus noch die Ikonostase, wobei er auch die Mitteltüre zum Altarraum öffnete.
Bei der Geburtsikone machte er uns aufmerksam, dass ein Tirolerhut als österreichische Besonderheit bei der Krippe  abgebildet ist.
Auf der Kanzel ist das Wappen des Kaiserhauses.
Der Bischofstuhl befindet sich auf der rechten Seite des Kirchenschiffes.
Wir danken P. Germanus für seine umfassenden und äußerst interessanten Ausführungen. Vielleicht wird es für uns im nächsten Jahr an einem Mittwoch in der Fastenzeit möglich sein, an einer Liturgie teilzunehmen.

Helene Hornich und Helene Spitalsky

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