Don Bosco Haus Wien - Jugendbildungsstätte

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Weltreligionen - Exkursionsreihe zu Orten religiöser Begegnung

am 22. March 2010

Russisch-orthodoxe Kathedrale

Am 15. März 2010, 16.00 Uhr traf sich eine Gruppe von 36 Personen vor der Russisch-orthodoxen Kirche, Jauresgasse 2. Erzpriester Chrysostomos Pijenburg übernahm die Führung.
Der prächtige Sakralkuppelbau, der nach der Renovierung von 2003-2008 in neuem Glanz erstrahlt, wurde von 1893-1899 nach den Plänen von Architekt G. I. Kotov durch Arch. L Giacomelli als Botschaftskirche erbaut und steht auf exterritorialem Boden. Die Kirche ist Sitz der russisch orthodoxen Gemeinde in Wien, die sich aus Russen, Ukrainern, Weißrussen, Georgiern, Mazedoniern, Bulgaren, Österreichern, Serben und Moldawiern zusammensetzt.
1899 wurde die Oberkirche zu Ehren des Hl. Erzbischofs Nikolaus von Myra und die Unterkirche zu Ehren des Hl. Großfürsten Alexander Nevskij geweiht.
1914 wurde die Kirche infolge des 1. Weltkrieges geschlossen und erst mit dem Ende des 2. Weltkrieges 1945 wieder eröffnet. 1962 wurde sie in eine Eparchie (Bischofskirche) umgewandelt.
Beim Betreten der Oberkirche ist man von der Ausgestaltung mit Wandmalereien und Ikonen überwältigt. Es gibt keine Bestuhlung, weil die Gläubigen während des mindestens 1 ½ Stunden dauernden Gottesdienstes stehen. Nur gebrechliche und alte Personen können auf den Sesseln, die entlang der Wände aufgestellt sind, Platz nehmen.
Im Kirchenschiff steht eine Kathedra für den Bischof. Der Altarraum ist durch eine Ikonostase abgetrennt und kann nur durch den Bischof oder Zelebranten betreten werden. Der Altarraum ist Symbol für das „Himmlische Jerusalem“.
Die Arbeiten an den Wandmalereien dauerten von 2006-2008. Es sind keine Fresken, denn da hätte der Putz abgeschlagen werden müssen. Archimandrit Zinon, ein hervorragender Ikonenmaler unserer Zeit leitete die Arbeiten.
Eine Besonderheit in der Komposition ist der „Herabkunft des Heiligen Geistes auf die Apostel“ in der Kuppel und im Kuppelunterbau. Im Kuppelzentrum ist der für Christus bereite Thron dargestellt. Normalerweise befindet sich dort eine Christus-Ikone, die aber nicht dargestellt werden konnte, weil der vom Zaren gestiftete Luster in der Kuppel befestigt ist.
Lichtstrahlen aus den Maueröffnungen fallen auf die Inschrift: „Siehe, Du hast uns einen anderen Lehrer gesandt, der mit Dir, o Wort, und mit Deinem Vater auf demselben Thron wesengleich ist.“ (Hl. Dreifaltigkeit). Im Kuppelunterbau sind die Apostel dargestellt und in den Zwickeln die erleuchteten Völker.
Im Apsisgewölbe sieht man eine von den Symbolen der Evangelisten umgebene Darstellung des Pantokrators, die den gesamten Kirchenraum dominiert.
Im Altarraum, den wir nicht gesehen haben, sind Propheten, Hierarchen und Szenen aus der Geschichte Abrahams dargestellt, die den Sinn der Eucharistie erschließen.
An der Ostwand, dort wo die Bögen über den Säulen emporstreben, finden wir eine zweiteilige Komposition von Maria Verkündigung. Sie eröffnet den Evangelienzyklus, der die Kirche durch eine Reihe von Wandbildern umschließt:  die Begegnung Marias mit Elisabeth, die Wanderung nach Bethlehem, Christi Geburt und weiters die Darstellung des Herrn, die Taufe im Jordan und die Verklärung Christi.
An der Nordseite (symbolisiert das Totenreich) ist die Auferweckung des Lazarus, der Judaskuss, die Kreuzigung Jesu, der Abstieg in die Unterwelt bzw. Auferstehung und die Erscheinung des Engels vor den Frauen.
In der darunter liegenden Reihe befinden sich der Einzug des Herrn in Jerusalem und das Letzte Abendmahl. Die Himmelfahrt Jesu im westlichen Teil der Kathedrale schließt die Geschichte der Inkarnation des Gottessohnes und seines irdischen Lebens ab. Über dem Westeingang ist die Entschlafung der Gottesmutter dargestellt.
Das irdische Leben Jesu und eine große Zahl von bedeutenden Heiligen der Kirchengeschichte in der untersten Reihe der Wandmalereien umgeben die Betenden in der Kirche, so dass sie zu Zeugen des Heilsgeschehens werden und schon jetzt am ewigen Reich Gottes teilhaben.
Die Unterkirche ist kleiner und bescheidener gehalten. Sie hat ein niedriges Gewölbe. Auf der Ikonostase ist in der Mitte die Verkündigung an Maria abgebildet. Am oberen Abschluss sind Bilder von den Festen im Jahreskreis.
Der Seitenaltar der Unterkirche ist dem Hl. Martin von Tours gewidmet.
2007 wurde ein sechseckiges Taufbecken für Erwachsene errichtet. Bei der Taufe  steht der Täufling und wird dreimal ganz untergetaucht.

In den Ostkirchen ist derzeit der julianische Kalender gültig, was sich aber – wie P. Chrysostomos angedeutet hat, ändern wird. Das Osterfest fällt heuer aber mit dem Termin des gregorianischen Kalenders zusammen. Die Russisch-orthodoxe Kirche hat eine sechswöchige Fastenzeit, in der nichts Tierisches gegessen wird.
Zum Abschluss beteten wir gemeinsam ein Vater unser und P. Chrysostomos erteilte uns den Segen.
Danke für die eindrucksvolle Führung!

Helene Hornich und Helene Spitalsky

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