Don Bosco Haus Wien - Jugendbildungsstätte

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Weltreligionen - Exkursionsreihe zu Orten religiöser Begegnung

admin am 28. January 2010

Jüdische Synagoge

Am 21. Jänner 2010, 09.45 Uhr fanden sich 32 Personen in der Seitenstettengasse 4, 1010 Wien ein. Nach der üblichen Sicherheitskontrolle gingen wir in das Gebetshaus. Wie uns unser Guide erzählte, wurden die Juden in der Monarchie immer wieder verfolgt und vertrieben, besonders 1420/21 und 1670. Erst unter dem Eindruck der Aufklärung erließ Josef II das Toleranzpatent, das den Weg zur Emanzipation der Juden eröffnete. Erstmals wurden bürgerliche Rechte zugestanden und diskriminierende Bestimmungen gestrichen. Juden  wurden damals auch die „Tolerierten“ genannt.
Unter Kaiser Franz I. erfolgt die Grundsteinlegung für den Wiener Stadttempel, der 1826 fertig gestellt wurde.                                              
Der durch den Architekten Josef Kornhäusl errichtete Bau hat keine typisch jüdische Architektur. Er erinnert in seiner Ausgestaltung an ein Theater und wurde den damaligen Vorschriften entsprechend in ein Wohnhaus integriert. Ein Umstand, der die Zerstörung im November 1938 verhinderte.
Das Tageslicht fällt durch eine Kuppel in den Innenraum. Sie ist wie ein Himmel mit Sternen gestaltet und erinnert so an die Verheißung Gottes an Abraham: ‚Deine Nachkommen werden so zahlreich sein wie die Sterne am Himmel.’ Die Gesetzestafeln des Mose (10 Gebote)  befinden sich am unteren Rand der Kuppel über der Bima, d.i. das Lesepult. Dort wird im Gottesdienst durch den Kantor aus der Tora in hebräischer Sprache gelesen.                                                         
An der Stirnwand, die in Richtung Jerusalem zeigt, befindet sich der Toraschrein. Es gibt im Gottesdienst eine strenge Trennung zwischen Frauen und Männern. Letztere sind im Hauptschiff, während die Frauen an den Rängen mitfeiern können.  Sie durften früher in einer streng orthodoxen Synagoge nicht sichtbar sein (Unreinheit)
Die Menora, der siebenarmige Leuchter – er stand im Tempel bei der Bundeslade – ist nur mehr ein Symbol für das Judentum. Hingegen wird der 9armige Leuchter vor allem beim Chanukka-Fest entzündet. Die mittlere Kerze ist der „Schamasch“ (Helfer) und wird zum Anzünden verwendet. Chanukka erinnert an das 2. Jhdt v. Chr., wo ein Ölwunder im Tempel geschah, weil der Leuchter 8 Tage brannte, obwohl nicht genug Öl mehr vorhanden war. Dieses Fest fällt zumeist in unsere Weihnachtszeit. Die Kinder bekommen 8 Tage lang jeden Tag ein Geschenk. Man isst ölhaltige Speisen z.B. Krapfen oder Kartoffelpuffer.

In einer Nische der Synagoge befinden sich 2 Chanukkaleuchter und eine Esterrolle. Zum Purimfest wird daraus gelesen. Man denkt an die Errettung der Juden durch Ester, einer Jüdin, die die Frau des persischen Königs war und dankt Gott für die Errettung von Haman, einem Minister des Königs, der alle Juden vernichten wollte.  Die Kinder verkleiden sich zu diesem Fest, und wenn bei der Lesung der Name Haman vorkommt, dürfen sie mit einer Ratsche Lärm machen.                                                                                             
Zu Rosch ha-Schana, dem jüdischen Neujahrsfest hingegen werden viele süße Sachen gegessen oder man taucht die Speisen in Honig. Damit wünscht man sich ein süßes, das heißt ein angenehmes neues Jahr. Zwischen Rosch ha-Schana und Jom Kippur (Versöhnungstag) liegen 10 Bußtage, an denen man sich mit allen Menschen, mit denen es Streit gegeben hat, versöhnen soll. 
Zu Pessach denkt man an den Auszug aus Ägypten. Es wird Mazzes (ungesäuertes Brot) gegessen. Dieses Fest ist immer im Frühling, wie unser Osterfest.
In den weiteren geschichtlichen Ausführungen hörten wir, dass die jüdische Gemeinde 1852 durch Kaiser Franz Josef I. Statuten erhielt, um ihre inneren Angelegenheiten in Kultusfragen zu regeln. Dadurch wuchs  die Gemeinde von 6.000 auf 40.200 (1870) und zur Jahrhundertwende auf 147.000 Mitglieder. Es wurden über 20 freistehende Synagogen und mehrere Bethäuser gebaut.
Religiöse Juden lebten im 2. Bezirk („Mazzesinsel“). Sie tragen auch heute noch eine besondere Kleidung. Der Großteil der Juden war assimiliert und bildete einen Teil der Stadtkultur. Musik spielte eine große Rolle (Brahms, Schubert).
40 % der Studenten waren Juden. Wien war aber den Juden gegenüber nicht sehr aufgeschlossen. Bürgermeister Lueger sagte: Wer ein Jude ist, bestimme ich. Viele Juden starben im 1. Weltkrieg.  Jüdische Politiker waren auch im „Roten Wien“ tätig und finanzierten Gemeindebauten.
Viele waren sehr schockiert, als Hitler einmarschierte. Das jüdische Gemeindezentrum wurde durch die Nazis zunächst erhalten, damit Juden auswandern konnten. Auch die verpflichtenden Judensterne wurden von dort aus verteilt. Gedenktafeln an den Wänden der Synagoge zeugen von dieser Zeit. Insgesamt fielen der Shoa über 65.500 Juden aus Österreich zum Opfer. Rund 5.500 Juden überlebten, großteils in „Mischehen“.
Nach dem Krieg war Wien ein Lager für „Displaced Persons“ aus dem Osten. Meist waren es Juden, die nach Palästina wollten, nur wenige blieben hier. 1956 und 1968 flüchteten Juden aus Ungarn bzw. der CSSR nach Wien.
Heute zählt die Gemeinde 7.000 Mitglieder. Sie ist zwar klein aber sehr lebendig. Einige Tausend Personen sind durch die Kultusgemeinde nicht erfasst. An den Sabbat Gottesdiensten nehmen ca. 100 Personen teil. Es gibt jüdische Schulen und koschere Einrichtungen.
Anschließend wurden wir noch in die kleine Synagoge geführt, die für die täglichen Gebete verwendet wird. Hier wurden noch offene Fragen beantwortet.
Sehr interessant war für uns, dass eine Tora, wenn z.B. ein Buchstabe nicht mehr gelesen werden kann, begraben wird.

Wie uns viele Teilnehmer/-innen bestätigten, war die  Führung sehr interessant.
Herzlichen Dank!                            

Helene Hornich und Helene Spitalsky

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