Don Bosco Haus Wien - Jugendbildungsstätte

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Weltreligionen – Exkursionsreihe zu Orten religiöser Begegnung

admin am 18. November 2009

Evangelische Kirche A.B.

Am 10. November 2009, 16.00 Uhr fand die Exkursion zur Evangelischen Kirche A.B. (Dorotheergasse 18) statt. Wir waren 20 Personen. Der auch geplante Besuch der Evangelischen Kirche HB musste kurzfristig wegen Verhinderung der Verantwortlichen abgesagt werden, wird aber nachgeholt.

Herr Dr. Michael Bünker, Bischof der Evangelischen Kirche A.B. begrüßte uns sehr herzlich. Ausgehend vom Bischofsamt erklärte er uns, dass dieses erst 1918 wieder eingeführt wurde. Da sich im 16. Jh. die Bischöfe der Reform nicht angeschlossen haben, übernahmen die Landesherren die äußere Organisation (Bündnis Thron und Kirche). Anders war das in den Kirchen des Nordens, wie z.B. Norwegen, Schweden, Finnland. Hier traten die gesamten Kirchen der Reform bei.

Während die Pfarrer auf Gemeindeebene zuständig sind, ist dies auf der mittleren Ebene der Superintendent. Für ganz Österreich gibt es einen Bischof. Das ist keine hierarchische Stellung, sondern der Bischof ist praktisch Pfarrer für einen größeren Bereich und soll das Verbindende fördern. Es gibt keine Weihe. Auch Frauen können diese Ämter einnehmen. Pfarrer und Pfarrerinnen werden von der Gemeinde bestellt. Der Bischof wird alle 12 Jahre gesamtkirchlich (presbiterial-synodales Prinzip) gewählt. Es besteht eine hohe Gemeindeautonomie. Priester und auch Bischöfe können abgelehnt werden. Das Lehramt hat die Gemeinde, höchste Richtschnur ist die Heilige Schrift.

Die Evangelische Kirche A.B. (Augsburger Bekenntnis, seit 1530) hat 7 Diözesen, ca. 200 Pfarrgemeinden und 350.000 Mitglieder.

Die reformierte Kirche H.B. (Helvetisches Bekenntnis, Stifter Calvin, Zwingli) zählt in Österreich ca. 15.000 Mitglieder. Bei uns gibt es bereits mehr Muslime (ca. 420.000) und auch mehr Orthodoxe Christen vor allem Serben (ca. 400.000).

Weltweit gibt es 70 Mill. Reformierte und 65 Mill. Lutheraner.

Im heurigen Jahr feiern die Evangelischen Kirchen gemeinsam den 500. Geburtstag Calvins.

Wie Bischof Dr. Bünker in einem geschichtlichen Exkurs ausführte, dachte Martin Luther zunächst nicht an die Gründung einer neuen Kirche, sondern wollte sein „Turmerlebnis“ (Röm. 1, 17,  Der aus Glauben Gerechte wird leben.) in die Kirche einbringen und diese reformieren. In Österreich fanden sich zunächst auch viele Anhänger.

Die systematische Gegenreformation in den Habsburgerländern brachte eine schwere Verfolgungszeit, in der der Protestantismus entscheidend zurückgedrängt wurde.

Eine Änderung brachte Josef II. mit dem am 13.10.1781 erlassenen Toleranzpatent, das evangelisches Leben unter bestimmten Voraussetzungen auch öffentlich duldete. Wo 100 evangelische Familien lebten, konnte ein Bethaus errichtet werden. Dieses durfte von außen nicht als Kirche erkennbar sein und keinen öffentlichen Zugang von der Straße haben. Pfarrer und Lehrer konnten berufen werden. Zwischen 70.000 und 80.000 Menschen bekannten sich im heutigen Österreich evangelisch zu sein.

80 Jahre später war es Kaiser Franz Josef I., der den Evangelischen im Protestantenpatent volle Freiheit des Bekenntnisses und der öffentlichen Religionsausübung zugesichert hat. 

Seit 1961 regelt das Protestantengesetz das Verhältnis von Staat und Evangelischer Kirche. Das Motto: Freie Kirche im freien Staat.

Unterschiede zur katholischen Kirche: Einzige Norm ist die Bibel, Tradition spielt keine normierende Rolle, kein Papstamt. Gemeinsam sind Glaubensbekenntnis und Sakramente (allerdings nur Taufe und Eucharistie), wobei das Eucharistieverständnis  auch divergiert.

Maria: Jungfrauenschaft und Gottesmutterschaft werden anerkannt. Nicht anerkannt werden die unbefleckte Empfängnis und die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel. Es gibt keine Heiligenverehrung und kein Gebet zu Maria.

Die Rechtfertigung des Menschen geschieht durch die Gnade, die Schrift und Jesus Christus.

Im Anschluss an seinen Vortrag führte uns Dr. Bünker noch in die Lutherische Stadtkirche.

Wir danken Bischof Dr. Bünker, dass er sich für uns Zeit nehmen konnte und wir die Evangelische Kirche A.B. in so beeindruckender Weise kennen lernen konnten.

Helene Hornich und Helene Spitalsky

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