Don Bosco Haus Wien - Jugendbildungsstätte

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Don Michele Rua - Tagung

am 19. November 2010

„Wir beide machen alles je zur Hälfte.“ Don Bosco

Unter diesem Motto lud die Don Bosco Familie von 12.-13. November 2010 ins Wiener Don Bosco Haus.  Rund 60 TeilnehmerInnen aus allen Gruppierungen beschäftigten sich mit Don Michele Rua (1837-1910), dem ersten Nachfolger Don Boscos.

Anlässlich von dessen 100. Todestag am 6. April 2010 hatte der Generalobere Don Pascual Chavez bereits im August 2009 ein Jubiläumsjahr ausgerufen, das von mehreren Höhepunkten gekennzeichnet war, vor allem von der internationalen Tagung der ACSSA (Verein zur Pflege salesianischer Geschichte) Ende Oktober/Anfang November 2009 in Turin und vom weltweiten Kongress von 28. bis 31. Oktober 2010 im Generalat der Salesianer in Rom, an dem ca. 240 Mitglieder der  Don Bon Bosco Familie sowie geladene Gäste aus allen Kontinenten teilnahmen.

Die Wiener Tagung wurde von allen Gruppen der Don Bosco Familie gemeinsam organisiert (Salesianer, Don Bosco Schwestern, Salesianische Mitarbeiter und den Ehemaligenbewegungen). Das Ziel sollte darin bestehen, die zahlreichen, im Zuge der Forschungen neu entdeckten Facetten der Figur Don Ruas einem breiten Publikum zu vermitteln.

Die fünf ReferentInnen näherten sich von ganz unterschiedlichen Zugängen her der Person Don Ruas, der bisher eher stereotyp als „die lebende Regel“ betrachtet wurde, denn als derjenige, ohne dessen mitverantwortliche Tätigkeit im Sinn des „Halbe-Halbe“ Don Bosco nicht so strahlen hätte können.

Pater Josef Weber SDB, Dozent für Theologie der Spiritualität und biblische Theologie in Benediktbeuern, führte gleich zu Beginn der Tagung die menschliche, geistige und geistliche Größe Don Ruas beeindruckend vor Augen. Er begeisterte die Zuhörer/innen nicht nur durch seine profunde Kenntnis des Lebens des Seligen, sondern vor allem durch die spirituelle Note seiner Ausführungen, die als spannend und meditativ zugleich empfunden wurden. Die neue Don Rua Biographie, die er gerade vorbereitet, darf mit Spannung erwartet werden.

„An der Seite Don Boscos“ – so hatte Pater Bernhard Maier SDB, Direktor des Don Bosco Gymnasiums Unterwaltersdorf sowie Olympia- und Paralympic-Seelsorger, seinen Vortrag betitelt. Genau diese von ihm aus den Memorie Biografiche ans Licht geholten, kaum bekannten sympathischen Begebenheiten und Dialoge zwischen Don Bosco und Don Rua warfen ein  berührendes Licht auf die Haltungen Don Ruas, zu deren Nachahmung der Generalobere einlädt. Das Foto-Addendum, das P. Maier anschließend an sein Referat präsentierte, zeigte äußerst interessante Original-Fotos sowohl aus dem Leben Don Ruas als auch rund um seine Seligsprechung.

Inwiefern Don Rua die Grundlagen für die Ausbreitung der Salesianer in den deutschsprachigen Ländern legte, darüber referierte P. Norbert Wolff SDB, Professor für Kirchengeschichte und Prorektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule der Salesianer Don Boscos Benediktbeuern. Obwohl die diesbezüglichen Bemühungen von Don Boscos erstem Nachfolger zu seinen Lebzeiten nicht unmittelbar von Erfolg gekrönt waren, so kann er dennoch – vor allem im Hinblick auf die Provinzerrichtung 1905 und die noch einige Monate vor seinem Tod erfolgte Eröffnung des Salesianums in Wien – als „Vater“ des Don Bosco Werkes im deutschen Sprachraum bezeichnet werden. Der „versteckte Österreicher“ weckte damit das Bewusstsein für die historischen Vernetzungen der salesianischen Anfänge in Österreich, Deutschland und der Schweiz.

Christiane Liebl SMDB, Mitglied des Provinzrates der Salesianischen Mitarbeiter Don Boscos und Mentorin im Don Bosco Haus Wien, erläuterte die intensive Aufmerksamkeit, die Don Rua den Mitarbeitern weltweit widmete. Um sie nach dem Tod Don Boscos zusammenzuhalten und ihr Wachstum zu fördern, organisierte er nicht nur die Aufsehen erregenden großen Kongresse, sondern pflegte er vor allem die persönlichen Kontakte zu den Salesianischen Mitarbeitern, ohne die das Don Bosco Werk sich niemals so weit ausbreiten hätte können, wie es unter seinem Rektorat der Fall war: Die Zahl der Salesianer hatte sich von 773 beim Tod Don Boscos auf 4.000 vervielfacht, die Anzahl der Häuser von 54 auf 345.

Schwester Maria Maul FMA aus Vöcklabruck brachte die Beziehung zwischen Don Rua und den Don Bosco Schwestern ein. Nachdem sie zusammenfassend die wichtigsten Erkenntnisse von Sr. Grazia Loparco FMA, Professorin für Kirchengeschichte an der Fakultät für Erziehungswissenschaften der Don Bosco-Schwestern in Rom, rund um die juridische Trennung des Institutes der Töchter Mariä Hilfe der Christen von der Gesellschaft der Salesianer Don Boscos 1906 geschildert hatte, richtete sie das Augenmerk auf die 145 Briefe Don Ruas an die damalige Generaloberin Sr. Caterina Daghero FMA (1856-1924), der er fast 35 Jahre lang „Bruder und Vater“ war.

Im Rahmen der Gruppenarbeiten am Samstagnachmittag tauschten sich die Teilnehmer  über das aus, was ihnen durch die Vorträge bezüglich der Person Don Ruas neu aufgegangen war. Auf die Frage, was Don Rua uns heute sagen würde, wenn er ein drittes Mal nach Österreich käme (1883 hatte er Don Bosco nach Frohsdorf bei Wr. Neustadt begleitet, 1904 die seit 1903 in Wien wirkenden Salesianer besucht), fanden sie ganz unterschiedliche Antworten:

Don Rua würde sich gegen Ausländerfeindlichkeit einsetzen, die weltweite Don Bosco Familie nicht nur ermuntern, fest zusammenzuhalten, sondern Familiarität richtig einfordern. Er  würde das Selbstbewusstsein der Salesianischen Mitarbeiter und Ehemaligen stärken und sagen: „Scheut euch nicht, eure Sorgen Gott zu überlassen, aber tut das, was euch selbst möglich ist.“ Er würde fragen: „Wo sind jene Jugendlichen, die heute in Not sind, und wie sieht diese Not aus?“ und ermutigen: „Bleibt bei der Jugend!“

Am Ende der Tagung wurde noch einmal der Generalobere zitiert. Er hatte in seiner Schlussansprache beim Kongresses in Rom drei Schlussfolgerungen gezogen: 

  1. Ein neues Bild Don Ruas sei durch die Forschungen im Rahmen dieses Jubiläumsjahres entstanden, das dem Klischee des „Mannes im Schatten Don Boscos“ endgültig ein Ende gesetzt habe.
  2. Die Kongresse dürften nicht Abschluss, sondern müssten Ausgangspunkt für weitere Studien sein, für die mehr Historiker vonnöten seien.
  3. Das Don Rua Jubiläumsjahr habe die Perspektive auf das 200-jährige Jubiläum des Geburtstages Don Boscos gerichtet, das 2015 weltweit gefeiert werden wird: „Während wir gemeinsam als Don Bosco Familie auf das 200-Jahr-Jubiläum Don Boscos zugehen, kann und muss Don Rua für jede/n von uns ein sicherer Begleiter und ein beständiges Vorbild werden. Wir sind gerufen, in allem mit Don Bosco halbe halbe zu machen, um Gott und den Jugendlichen alles zu werden. Der Traum Don Boscos verwirklicht sich unter uns, wenn wir, wie Don Rua, von und für Don Bosco leben.“

Besonders geschätzt wurde die salesianisch-familiäre Atmosphäre, die sowohl im Vortragssaal als auch beim gemütlichen Beisammensein und beim gemeinsamen Gebet, vor allem bei der feierlichen Abschlussmesse spürbar wurde. In seiner Predigt betonte Provinzial Pater Rudolf Osanger SDB: „Don Bosco und Don Rua zeigen uns, dass es sowohl für ein persönliches Leben, als auch für eine Ordensgemeinschaft sehr fruchtbar sein kann, junge Menschen zu ermutigen, ihrer Lebensberufung zu folgen und sie in eine lebendige Gemeinschaft hineinzunehmen, die gekennzeichnet ist durch den Familiengeist.“

Bleibt zu wünschen, dass im Hinblick auf das Jubiläumsjahr Don Boscos 2015 weitere ebenso wertvolle – österreich- und europaweite - Veranstaltungen stattfinden. Die Worte Papst Pauls VI. anlässlich von Don Ruas Seligsprechung am 29. Oktober 1972 brachten dies unübertrefflich zum Ausdruck: „Er hat aus dem Beispiel Don Boscos eine Schule gemacht, aus seinem Leben eine Geschichte, aus seiner Regel einen Geist, aus der Quelle einen Strom.“

Sr. Maria Maul

 

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